Let’s unfuck the world. Green Friday.

Auf ihrem Blog Green Friday sammeln Julia und Anna Ideen und Geschichten, die die Welt ein bisschen besser machen. Das machen die beiden sympathisch entspannt und ohne erhobenen Zeigefinger. Weil wir das ziemlich gut finden, haben wir uns mit Julia und Anna zum Interview getroffen.

smallternative: Wie seid ihr denn auf die Idee für euren Blog gekommen?

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Julia und Anna von Green Friday.

Anna: Wir hatten in der Agentur, in der wir arbeiten, ein Projekt, in dem es um Nachhaltigkeit ging. Und in dem Zusammenhang dachten wir „Wir sollten unbedingt einen nachhaltigen Blog machen“, weil wir beide sehr in dem Thema aufgegangen sind.

smallternative: Und woher kam euer Interesse für Themen wie Nachhaltigkeit, Bio…?

Julia: Wir haben beide Eltern, denen das immer wichtig war. Das ist natürlich eine andere Generation, aus einer ganz anderen Zeit. Die waren mit ihrer politischen Aktivität noch mehr auf der Straße, als im Netz. Dadurch haben wir beide aber schon relativ früh das Interesse dafür mit auf den Weg gegeben bekommen. Beruflich sind wir in eine ganz andere Richtung gegangen, aber das Interesse war noch immer da und lag nur irgendwie ein bisschen brach. Wir haben das Thema Nachhaltigkeit für uns umgesetzt, aber das Gespräch und der Austausch mit anderen hat gefehlt. Das setzen wir jetzt mit unserem Blog um.

Anna: Ja und der Blog hilft auch dabei, die eigene Meinung zu festigen und sich mit Dingen intensiver auseinanderzusetzen. Zum Beispiel was irgendein Siegel für eine Bedeutung hat und was das tatsächlich bringt.

Julia: Und auch das Sammeln von dem Wissen, was schon da ist. Wir machen den Blog auch für uns selber. Wir beide haben wahrscheinlich durch Green Friday am meisten über Nachhaltigkeit gelernt. (lacht)
Und wir hatten auch immer das Gefühl, dass viele Blogs und Magazine, die sich mit diesen Themen beschäftigen, schon noch sehr ernst sind. Viele arbeiten mit Empörungsrhetorik und Schockbildern und Endzeitstimmungsgefühlen, die wir aber so gar nicht teilen. Wir haben das Gefühl, es gibt inzwischen total viele Leute, die ’ne coole nachhaltige Limonade machen oder die zum Beispiel total Spaß haben, vegan zu leben. Oder Leute, die gar nicht mehr fliegen wollen, sondern lieber ein Haus in Brandenburg haben und das viel geiler finden. Also Leute, die das auf eine ganz lebensbejahende, schaffensfreudige, kreative und trotzdem auch wirtschaftlich denkende Weise umsetzen. Und diese positive Herangehensweise haben nach wie vor gar nicht so viele Plattformen und das wollten wir eben auch ändern.

smallternative: Das fanden wir an Green Friday auch gleich gut, denn das sehen wir auch so. Ich denke, man kann mehr Menschen erreichen, wenn man ihnen eine gute Alternative zeigt und ihnen nichts verbieten will..

Julia: Wir haben trotzdem am Anfang an ein bisschen Gegenwind bekommen von Leuten aus unserem Umfeld, die gesagt haben „Du machst hier auf Vegetarier und hast aber eine Tasche aus Leder“ und so. Das ist seltsam, es gibt ganz viele Leute, die gar nicht nachhaltig leben und dann Leuten vorwerfen, dass diese nur ein bisschen nachhaltig leben. Und nicht 100%. Das war uns vorher gar nicht so klar, dieser Mechanismus. Bis er durch den Blog eben immer wieder aufkam. Dazu haben wir jetzt auch schon ganz viele Artikel geschrieben. Denn es ist wirklich absurd, dass jemand, der ganz viel Fleisch isst, jemanden verurteilt der nur ein bisschen Fleisch isst. Dagegen wollen wir auch ein bisschen anschreiben. Und wir haben an uns selber eben auch gemerkt, dass man auf viele Ideen kommt, wenn man einmal damit angefangen hat, Dinge zu ändern. Man darf eben auch erstmal anfangen nachhaltiger zu leben und muss nicht sofort alles perfekt machen.

Anna: Und ich finde, man darf sich auch ab und zu mal ein Paar Nikes kaufen. Natürlich wäre es besser, das gar nicht zu tun, aber dann bin ich bei diesem Punkt vielleicht nicht radikal genug. Es gibt aber manchmal zum Beispiel keinen anderen Schuh, der mir auch nur annähernd so gut gefällt. Ich mach das heute nicht mehr so oft, aber wenn ich ab und zu richtig Bock darauf habe, dann bin ich auch mal ein Konsumkind und das will ich dann auch sein dürfen. Jeder hat für sich Punkte, bei denen er ansetzen kann und die für ihn besonders wichtig sind. Und für mich ist zum Beispiel der Punkt Kleidung relativ schwer, da mir vieles an nachhaltiger Kleidung nicht gefällt.

Julia: Wobei es inzwischen viel mehre gute Labels gibt, als noch vor fünf Jahren.

smallternative: Ja, das stimmt. Aber ich finde es bei Schuhen zum Beispiel immer ziemlich schwierig. Anderes Thema: Was macht euren Blog aus? Und wie sind denn die Reaktionen eurer Leser?

Anna: Unser Blog ist relativ zeitlos. Veranstaltungstipps verfallen natürlich, aber ansonsten kann man Artikel, die wir vor zwei Jahren geschrieben haben auch heute noch gut lesen. Und dabei auch ein paar Veränderungen fest stellen. am Anfang von Green Friday habe ich beispielsweise noch Fleisch gegessen und das thematisiert, mittlerweile verzichte ich komplett darauf.

Julia: Einer, der meist geklickten Artikel bei uns ist einer über Alverde, ein kleiner Markencheck. Also: Was ist das? Wo kommt das her? Was weiß man darüber? Alverde macht ein relativ großes Geheimnis darum, wo sie produzieren. Und dadurch dass es so günstig ist, fragen sich ja schon viele Leute, wie das möglich ist. Der Artikel ist von 2011 und bis heute landen täglich Leser dadurch auf unserer Seite. Das ist aber auch ein gutes Zeichen, denn das zeigt, dass Leute sich nicht von einem Schild blenden lassen. Sie suchen im Internet und wollen herausfinden, was es mit einem Produkt auf sich hat. Das finde ich eigentlich total schön. Unsere Leser sind uns alle eigentlich sehr wohlgesonnen und sehr freundlich. Sie sind jetzt nicht besonders kommentarwütig, wie bei einem Netzkultur-Blog. Bei uns lesen die Leute, liken es vielleicht und dann war’s das. Und ein paar kommentieren oder schreiben mal eine Mail.

Anna: Wir hatten am Anfang mit mehr Kritikern und Pöblern gerechnet..

Julia: Vielleicht sind wir noch unter dem Radar.

smallternative: Vielleicht ist es auch eure andere Art der Herangehensweise.

Anna: Ja. Wir posten eben auch nicht nur Negativbeispiele und verurteilen Leute, sondern wir versuchen es eher positiv und schreiben zum Beispiel: „Hey, hier gibt‘ nen neuen geilen Kaffee und der ist übrigens auch noch fair gehandelt, statt zu sagen, „was bist du denn für ein schlechter Mensch, du trinkst ja konventionellen Kaffee.“

Julia: Wir zeigen auch immer den Weg zu unserer Meinung, was für Fakten wir recherchiert haben.

smallternative: Ja, und so lasst ihr den Leuten am Ende ja auch immer die Wahl. Dann können sie selber entscheiden. Bei vielen Dingen ist es ja auch einfach nur wichtig, dass man überhaupt mal anfängt, darüber nachzudenken. Und einen Anstoß bekommt…

Julia: Und dafür ist so ein Blog eine total schöne Basis. Dadurch denkst Du nicht nur über etwas nach und behältst es für dich, sondern kannst damit auch noch produktiv sein, indem Du deine Gedanken und Ideen mit anderen Menschen teilst. Man lernt dadurch ja auch andere Leute kennen und hat einen Aufhänger, um sich mit ihnen zu treffen und auseinanderzusetzen. Es ist echt ein schönes Hobby.

Anna: Und man kann nicht so schnell faul werden dadurch. Wenn es uns mal passiert, dass es eine Woche keinen neuen Artikel gibt, haben wir sofort ein schlechtes Gewissen. Und das will man ja vermeiden. Manche Dinge fliegen einem zum Glück immer mal wieder zu. Manchmal ist es allerdings auch richtig Arbeit, sich ein Thema zu suchen und darüber zu schreiben. Dadurch hält man sich aber auch so wach und aktiv.

Julia: Im Blog haben wir aber auch immer eine gute Mischung. Wir haben ein paar ganz green_friday2ernsthafte, gut recherchierte und aufwändige Artikel. Das gibt uns ein sicheres Gefühl, dass wir auch wissen, worüber wir reden. Dann haben wir aber auch „Spaßmach“-Artikel, einfach ein gutes Gefühl hinterlassen. Und das ist ja auch in Ordnung. Wenn man beides gut mischt, kann man sich auch gut darstellen und all seine Facetten zeigen. So sind wir beide eben auch als Menschen. Ich kann den ganzen Tag über ein ernstes Thema nachdenken und abends dann aber auch mal einen Schnaps trinken gehen. Das ist Green Friday. (lacht)

smallternative: Danke für das nette Interview und euch weiterhin ganz viel Erfolg mit Green Friday!