Ist Altpapier nicht grau und rau? Ein Besuch bei Polly Paper

Polly Schmincke hat jahrelang nach umweltfreundlichen Malblöcken und Schreibwaren für ihre Kinder gesucht und nichts gefunden. Gibt es etwa keine recycelten Schulhefte mehr? Kann man umweltfreundliche Schreibwaren nur bestellen? Das ist doch eine Marktlücke. Das dachte sich auch Polly und verkauft seit August 2012 nun selbst umweltfreundliche Schreibwaren in ihrem schönen Laden Polly Paper. Wir haben sie besucht und mit ihr über schöne Schreibsachen, Nachhaltigkeit und bewusstes Leben gesprochen:

polly2smallternative: Polly, wie bist Du auf die Idee für deinen Laden Polly Paper gekommen? Und wie war der Start?

Polly: Ich habe mich geärgert, dass ich in keinem Schreibwarenladen in meiner Umgebung Recyclingpapier finden konnte und das in Berlin. Also es gab nur einen Laden am anderen Ende der Stadt. Ein Wendepunkt war auch der wahnsinnige Papierverbrauch meiner Kinder. Meine beiden Kinder sind mal- und zeichenwütig und sie haben immer irre viel frisches Papier verbraucht, was dann danach in den Müll gewandert ist und da habe ich Malblöcke aus Recyclingpapier gesucht. Dann habe ich im Internet gesucht und bin auf memo gestoßen. Dort habe ich dann bestellt, aber nur für ein paar unlackierte Bleistifte wollte ich auch nicht immer Versandkosten zahlen. Mehr aus Spaß habe ich manchmal zu meinem Mann gesagt „Irgendwann mache ich selbst so einen Laden auf“. Er hielt das nur für eine spinnerte Idee. Und dann kam der 40. Geburtstag und die Midlife-Crisis. (lacht) Auch im Beruf gab es den Punkt, dass ich das Gefühl hatte, das ich nicht weiterkomme und was ganz Neues machen muss. Und dann bin ich zu einem Existenzgründerseminar und habe mit acht anderen Frauen unsere Ideen besprochen. Da wurde ich darin bestärkt, einen eigenen Laden aufzubauen. Durch ein gutes Berliner Programm „Start:Chance“ habe ich dann ein Coaching geschenkt bekommen und wurde von einem Unternehmensberater darin unterstützt das Ganze aufzubauen. Monatelang habe ich ein Ladenlokal gesucht und Ende August habe ich den Laden dann aufgemacht.

smallternative: Wie war bisher die Resonanz der Kunden und wie läuft es?

Polly: Ich bekomme wahnsinnig viel positives Feedback. Damit habe ich gar nicht DSC_9747gerechnet, dass so viele Kunden im Laden stehen und so begeistert sind und sagen „Ach, so was habe ich seit Jahren gesucht“. Teilweise kommen sie vom anderen Ende der Stadt, weil sie mich im Internet gefunden haben. Aber es sind natürlich immer noch zu wenig, ich verdiene noch nichts. Ich kriege die Miete rein, die hier in Mitte ziemlich hoch ist, aber es muss schon noch deutlich mehr werden, damit sich das irgendwann trägt. Ohne das feste Gehalt meines Mannes könnte ich das nicht machen. Auch nicht ohne seinen Einsatz für unsere Kinder, für die ich leider seit Ladeneröffnung wenig Zeit habe.

smallternative: Kannst Du ein bisschen was zu den Marken erzählen, die Du im Sortiment hast?

DSC_9759Polly: Der Gründer meines Hauptlieferanten (memo) hat schon als Jugendlicher auf dem Schulhof Umweltschutzpapier-Hefte verkauft. Rund 30 Jahre später ist er für sein Engagement in all den Jahren mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden, dem höchstdotierten Umweltpreis. Mein zweitgrößter Lieferant ist die Firma Venceremos aus dem Münsterland. Die haben in den 70er/80er Jahren angefangen mit fair gehandeltem Kaffee und Nicaragua-Projekten. Dann ist Umweltschutzpapier dazu gekommen. Heute sind sie – soweit ich weiß – der größte Hersteller von Schul- und Notizheften aus Recyclingpapier. Von Venceremos beziehe ich Schulhefte, viele Notizbücher und Ordner. Dann WUP aus Hamburg und ökoNORM aus Sachsen-Anhalt. Die Gründer all dieser Unternehmen (auch memo und Venceremos) kennen sich meist schon aus den 70 oder 80er Jahren. Dann habe ich aber auch ganz viele junge Unternehmen, wie 1973 aus England oder Ecojot aus Kanada. Da hatte ich auch eine Weile überlegt, ob es ob es ökologisch vertretbar ist, Sachen aus Kanada zu importieren. Aber die arbeiten so nachhaltig, dass es immer noch besser ist, sie zu importieren, als konventionelle deutsche Frischfaser-Produkte zu nehmen. Die produzieren in Kanada ihre eigene Energie für die Produktion, benutzen mineralölfreie Druckfarben und Altpapier. Ein ganz tolles Unternehmen. Aus Frankreich habe ich noch ExaClair. Da gibt es die Serie „Forever“, das sind nur Recyclingprodukte. Da war ich ganz überrascht, das ich aus Frankreich so schöne ökologische Produkte gefunden habe. Solche Sachen hatte ich vorher in keinem Laden gesehen, die habe ich dann auf der Schreibwarenmesse gefunden. Die ersten sind jetzt aber auch schon auf mich zugekommen, wie die junge Firma paperscreen aus Hamburg. Die machen Blöcke im Format von iPhone und iPad und alles aus Recyclingpapier.

smallternative: Dein Konzept ist ja wirklich total durchdacht. Wie wichtig ist Dir denn das Thema Nachhaltigkeit in deinem Leben?

Polly: Das ist mir sehr wichtig. Ich versuche, möglichst nachhaltig zu leben und zu DSC_9752arbeiten. Das Geld geht zur GLS Bank, ich beziehe Ökostrom, habe beim Renovieren des Laden auf ökologische Produkte geachtet, verwerte fast alle Verpackungsmaterialien wieder. Ich kaufe nur Bio-Lebensmitteln und Putzmittel ein, kaufe viele Dinge gebraucht, auch Kleidung, fahre nur Fahrrad  und versuche, auch meine Kinder für Umweltaspekte zu sensibilisieren. Ich versuche, das Fliegen zu vermeiden und wenn, dann durch atmosfair auszugleichen. Das ist schon etwas, was alle meine Lebensbereiche betrifft.

smallternative: Vielen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg! Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Polly Paper hat übrigens seit einer Weile auch einen Onlineshop! :)

Noch mehr zum Thema Recycling und Umweltschutz könnt ihr hier nachlesen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *