Faire Elektronik? – Die faire Maus macht einen kleinen Anfang in der Elektronikbranche

Bei Lebensmitteln und Kleidern sind Fairtrade- und Bio-Produkte inzwischen relativ verbreitet. In der Technik- und Elektronikbranche war das bisher jedoch nicht der Fall. Jetzt gibt es das erste Fairphone und es gibt auch eine faire Maus. Das Team der fairen Maus möchte eine Alternative zu den „unfairen“ elektronischen Geräten bieten und will zeigen, dass es auch anders geht. In der aktuellen Version der Maus ist die Lieferkette zu zwei Dritteln fair. Das Ziel ist am Ende eine zu 100% fair gehandelte Maus anbieten zu können. Wir haben uns mit Alex von der fairen Maus getroffen und uns die tolle Gründungsgeschichte erzählen lassen:

 

variationensmallternative: Susanne hatte ja die Idee zur fairen Maus und hat auch das Unternehmen gegründet. Sie ist eigentlich Geografin und hat nichts mit der IT-Branche zu tun. Wie kam sie auf die Idee?

Alex: Sie denkt viel über das Leben nach und war schon immer sehr engagiert. Irgendwann hat sie sich dann darüber gewundert, dass es keine fairen Smartphones, Computer oder Zubehör gibt und dann hat sie angefangen zu recherchieren. Überall kann man Bio kaufen, es gibt immer mehr Fairtrade-Siegel, aber für Technik gibt es das gar nicht. Das hat Susanne geärgert, also hat sie selbst losgelegt. Die ersten zwei Jahre hat sie dann erstmal geschaut, was überhaupt alles in eine Maus gehört und woher man die Einzelteile bekommt.

smallternative: Und dann hat sie mit der Umsetzung angefangen?

Alex: Man braucht natürlich auch Startkapitel, da man eine Form drucken lassen muss und die kostet 20.000€. Das konnte sie aus Eigenkapital vorstrecken und dann konnte sie starten.

smallternative: Wow, toll. Wie waren denn dann die ersten Reaktionen?

Alex: Also auf den Messen waren die Reaktionen total positiv, aber die Produktion war sehr schwer. Die meisten Firmen wollten da am Anfang nicht mitmachen. Die Zulieferer für die Einzelteile wollten Produktionsziele und Zahlen für die Auflage haben und die Informationen hatten wir ja am Anfang einfach nicht. Da musste Susanne viel Überzeugungsarbeit leisten und spezielle Firmen finden. Sie ist auch oft direkt hingefahren und hat persönlich mit den Herstellern gesprochen und sie überzeugt. Jetzt arbeitet sie mit ein paar Behindertenwerkstätten und anderen Firmen.

smallternative: Wir waren auch überrascht, dass die Maus (ab 29,90€) gar nicht so viel teurer ist, als eine „unfaire“ hochwertige Maus…

Alex: Susanne hat ganz viele Umfragen gemacht und Tests und die Leute waren auch bereit, so viel zu zahlen. Die Produktion war auch günstiger, als gedacht. Sie macht ja auch keinen Gewinn mit der Maus und schlägt deswegen kaum etwas drauf. Deswegen können wir die Maus zu diesem Preis anbieten.

smallternative: Ihr sagt ja auch auf eurer Seite, dass die Maus momentan noch nicht zu 100% fair ist. Wie fair ist sie denn?

Alex: Wir sind jetzt bei über 50%. Und Bio ist die Maus auch. Das Gehäuse kann man in den Biomüll werfen und auch sonst arbeiten wir mit Recyclingstoffen und man kann die Maus reparieren. Die faire Produktion steht aber im Vordergrund. Im Oktober war Susanne persönlich in China und hat sich dort ein Werk angeschaut, damit die nächsten Schritte bei der fairen Maus umgesetzt werden können. Unser Ziel ist dann eine 100% faire Maus. Manche Sachen sind wirklich sehr schwer zu finden. Ein paar Leiterplatten gibt es nur bei ein paar Herstellern in China, die man persönlich nicht erreichen kann. Dadurch ist es schwer dafür eine Alternative zu finden.

smallternative: Vielen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Mehr Hintergrundinfos gibt es hier.

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