„Wir hoffen, dass dann durch diese Summe an kleinen Entscheidungen im Alltag der Wandel vorangetrieben wird.“ Ein Gespräch mit den goodz – Gründern.

goodz ist eine neue Onlineplattform für Design, Qualität und Nachhaltigkeit. Neben einem Shop, gibt es auch ein Magazin zu nachhaltigen Themen. Eine Community soll folgen. Gegründet wurde goodz von Thomas Preiss, Florian Lanzer und Jeffry van Ede. Florian und Thomas haben sich beim gemeinsamen Studium in Los Angeles getroffen. Nach vielen verschiedenen beruflichen Stationen, haben sie sich dann wieder zusammen getan. Thomas hatte inzwischen Jeffry kennengelernt, der nach 20 Jahren bei Sony, gerade etwas anderes starten wollte, in Richtung „Profit meets Purpose“. Schnell war klar, dass die drei etwas zusammen machen wollen und so wurde der Grundstein für goodz gelegt. Wir haben mit Thomas und Florian und ihrer PR Managerin Julia gesprochen.

smallternative: War für Euch denn schnell klar, dass ihr eine nachhaltige Geschäftsidee umsetzen wollt?

goodz-geschaeftsfuehrerFlorian: Ich glaube, das ist bei uns allen unabhängig voneinander entstanden. Wir haben gemerkt, dass wir keine Lust mehr darauf haben, Produkte zu konsumieren, die nicht mit der eigenen Ethik übereinstimmen. Die Überlegungen waren also schon länger da und haben sich über die Zeit verschärft. Und wir haben immer mehr gemerkt, dass wir damit nicht allein sind. Wir haben mit anderen Leuten darüber gesprochen und festgestellt, dass sehr viele Leute so denken. So hat sich das dann weiter entwickelt. Die Frage war dann: Wenn den Leuten bewusst ist, dass es hier ein Problem gibt, was machen sie dagegen? Machen sie überhaupt was dagegen? Und wenn nicht, warum nicht? Wir dachten schon, dass es diese Produkte gibt, die anders ticken. Aber wir kannten nicht so viele. Ich persönlich bin da relativ blauäugig reingegangen. Für mich war schon die Frage, ob es überhaupt Produkte gibt, die besser sind als der Status quo. Also haben wir uns auf die Suche gemacht. Sehr schnell haben wir viele Produkte gefunden. Allerdings sehr verstreut und nicht an einem Ort. Es waren oft kleine Marken, die jung anfangen, aber Nachhaltigkeit schon seit Tag 1 in ihrer DNA haben. Die haben aber oft nicht die Marketingpower, um bekannt zu werden. Deswegen kannten wir sie auch nicht. Und das ist eben auch ein Teil des Problems, das wir mit goodz lösen wollen. Leute, die anders konsumieren wollen, sollen einen viel, viel einfacheren Zugang zu den Produkten bekommen und auch zu den Stories hinter den Produkten. Deswegen haben wir auch das Magazin. Wir wollen zeigen, wer die Menschen dahinter sind, was sie antreibt und warum sie es machen.

Thomas: Uns war von Anfang an auch wichtig, dass wir nicht notwendigerweise eine Plattform für Hardliner-Aktiviten sein wollen. Die Hauptidee war „Mainstreaming-Sustainibility“. Und was muss passieren, dass das funktioniert? Das hat auch damit zu tun, dass wir selbst nicht in einer mega grünen Ecke sind. Aber es interessiert uns eben sehr, diese Erfahrungen zu machen und selbst auf diese Reise zu gehen. Jeff , unser Mitgründer, glaubt dass vielleicht 5% sehr grün leben. Und es wird auch immer Leute in der Gesellschaft geben, die sagen „I don’t care“. Aber es gibt eben auch ein unglaubliches Potenzial von 30/40%, die eigentlich bereit sind, sich zu bewegen, für die es aber noch kein passendes Angebot gibt, damit sie es dann tatsächlich machen. Das hat mit Style zu tun und natürlich auch mit dem Preis. Das hat mit Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu tun und auch mit Lifestyle. Das Angebot, was es bisher gibt und die Art, wie Nachhaltigkeit meistens kommuniziert wird, hat fast immer etwas mit Altruismus und Verzicht zu tun. „Ich muss etwas aufgeben, damit es anderen gut geht.“ Das ist aber nicht die Positionierung von goodz. Nachhaltigkeit kann auch Spaß machen und diese Emotion zu transportieren und in E-Commerce zu übersetzen – das ist es, was wir mit goodz erreichen wollen. Da kommt dann eben auch Content ins Spiel und die ganze Kommunikation. Wie ist unsere Bildsprache? Mit diesen Dingen haben wir uns im letzten Jahr viel beschäftigt. Was muss passieren, dass die Leute zum ersten Mal zum Beispiel einen Ethletic Sneaker kaufen? Auf goodz werden hoffentlich viele Leute sein, die diese Marken für sich entdecken und dann einen Aha-Moment haben und sich fragen, warum sie davon bisher nichts wussten. Das stellen wir uns vor.

Florian: Viele nachhaltige Seiten haben den Ansatz, Leute umerziehen zu wollen. Durch extreme Parolen und extreme Erklärung. Wir denken einfach, dass es Sinn macht, die Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen. Und wir glauben, dass ein großer Teil der Bevölkerung diese bessere Einkaufsentscheidung treffen will, aber ein bisschen damit alleine gelassen wird. Es herrscht eine große Verwirrung. Das ist auch der Grund, warum wir ein Magazin aufbauen wollen. Wir hoffen, dass dann durch diese Summe an kleinen Entscheidungen im Alltag der Wandel vorangetrieben wird.

smallternative: Habt ihr das Gefühl, dass grüne und nachhaltige Produkte noch immer so ein Imageproblem haben?

Thomas: Schwer zu sagen. Ich finde es gibt gewisse Entwicklungen. Das sehen wir zum Beispiel an der Fashion Week. Dieses Thema war dort dieses Jahr unheimlich groß. Ja, und an dem Punkt beantwortet das eigentlich schon die Frage. Es hat sich schon etwas verändert. Oder wie unser Mitgründer Jeff es formuliert: „Sustainable ist the new cool“. Und da ist viel dran. Da kann man viele Theorien aufstellen, warum dieser Kulturwandel stattgefunden hat, aber auf jeden Fall hat er stattgefunden und man sieht, dass etwas passiert. Wir haben viel Research vor unserem Start gemacht und da haben wir gesehen, dass in den letzten 5 bis 10 Jahren einfach so viele neue, coole, nachhaltige Lifestyle-Marken entstanden sind.

Florian: Ich glaube, das hat auch ein bisschen mit den Generationen zu tun. Die, die jetzt schon 30 – 35 oder älter sind, sind natürlich mit Marken aufgewachsen, die fast durchweg nicht nachhaltig waren, außer sie haben sich wirklich speziell dafür interessiert. Deswegen muss da ein Umdenken erfolgen. Oder es muss erstmal eine neue Wahrnehmung entstehen, dass nachhaltig nichts mit der Ökonische zu tun hat.

Julia: Also diese „Jutesäcke“ unter den grünen Produkten gibt es natürlich auch noch und da nehmen wir dann die Kuratorenaufgabe ein und sagen „Das rein. Das raus.“. Damit man auf goodz dann eben nicht den Jutesack findet. Ich glaube, es war in der Nachhaltigkeitsszene ganz lange verpönt, sich von Ästhetik leiten zu lassen. Oder überhaupt zu sagen „Es ist schön, dass der Pullover nachhaltig ist, aber er ist hässlich“, das war ja schon Hochverrat. Wir wollen aber beides und beides gibt es auch schon, man muss es nur ein bisschen suchen, finden und dann nach vorne stellen. Das ist unsere Mission.

smallternative: Wie überprüft ihr denn, wie nachhaltig die Marken wirklich sind?

Thomas: Wir lesen sehr genau alle Informationen, die wir online finden können. Wir schicken natürlich kein Team von 3 Scientists da hin, das können wir auch gar nicht. Aber, und das ist auch Teil unseres Manifests, es geht uns um Marken, die Nachhaltigkeit in ihrer DNA haben. Es geht nicht um die Marke, wie H&M, die sagt wir machen jetzt ein „Conscious T-Shirt“. Das hat für uns nicht die selbe Stärke.

Florian: Wir sammeln in einem hohen Umfang Informationen über unsere Marken und wollen die dann in möglichst transparenter Art und Weise den Kunden zur Verfügung stellen, damit sie auch einen informierte Kaufentscheidung treffen können. Das sind zum Beispiel die Stories über die Labels. Ich glaube, es gibt einen großen Vertrauensschub, wenn der Gründer mit Foto und seinem Namen da steht und über seine Marke erzählt. Das ist auf jeden Fall ein wesentlicher Faktor. Zusätzlich stellen wir immer alle Zertifikate und Labels dar, die die Unternehmen schon bekommen haben. Denn die investieren ja viel, um diese zu bekommen, damit meine ich jetzt auch nicht nur Geld. Sie unterwerfen sich strengen Standards und dann ist es auch gut diese dem Konsumente als Kriterium zur Verfügung zu stellen. Und wir haben selbst auch Kriterien in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit. Dadurch können wir auf eine einfache Art und Weise auf der Produktebene anzeigen, was dieses Produkt jetzt speziell nachhaltig macht. Und an diesem Punkt wollen wir anknüpfen, hier wollen wir die Konsumenten mit ins Boot holen und diese Nachhaltigkeit auch bewerten lassen. Nachhaltigkeit immer viel mit Subjektivität zu tun. Was ist jetzt für mich genau nachhaltig, was nicht? Das ist ein sehr sehr schwieriges Thema und auch eine Definition, die sich mit der Zeit verändert. Hier wollen wir zusammen mit der Community lernen. Wir haben jetzt angefangen, dass man das bewerten kann, aber da folgen noch viele Features, wie wir den Kunden noch weiter integrieren können und einen höheren Austausch haben.

smallternative: Was sind denn eure Pläne für goodz?

Thomas: Wo wollen wir uns hin entwickeln? Kurzfristig wollen wir unser Produktportfolio erweitern. Unser Kerngeschäft ist die E-Commerce-Plattform. Da stehen wir noch ganz am Anfang, wo wir unsere Kauferfahrung und andere Sachen weiter verbessern müssen. Aber dann kommt der Communitygedanke. Mittelfristig ist es unser Ziel, uns deutlich von anderen Plattformen über die Kauferfahrung zu differenzieren. Wir wollen das Einkaufen und das Unterstützen von nachhaltigen Projekten verknüpfen. Das ist dann „Profit meets Purpose“. Auf der ersten Ebene geht es um nachhaltige Produkte, auf der zweite Ebene um nachhaltige Projekte. Das ist ein Teil unserer Vision für die Zukunft.

smallternative: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Wer goodz richtig toll findet und sie gerne unterstützen will, kann das übrigens ab Donnerstag bei ihrer Crowdfunding Kampagne tun: www.seedmatch.de/goodz

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