Vom „Betriebssystem“ einer Cola

smallternative des monats - premium cola„Hey, wie geil ist das denn, was wir hier machen. Das hab ich ja jetzt erst kapiert.“ So klingen begeisterte Kunden. Auch wir haben ein Weilchen gebraucht, um zu kapieren, wie viel Revolution in 0,33 Liter Cola stecken können –  und was ein Anti-Mengenrabatt ist. Erfahrt mehr über unsere smallternative des Monats und darüber, wie man eine Getränkemarke aufbauen kann.

Uwe Lübbermann spricht schnell. Man merkt ihm an, dass er diese Geschichte schon oft erzählt hat und dass er das Staunen seiner Zuhörer gewohnt ist. Er holt aus, abstrahiert gerne, spielt an auf vieles, was mit einer Cola auf den ersten Blick so viel zu tun hat, wie Originalität mit Tschibo-Café. Es geht ihm um mehr, sehr viel mehr als Softdrinks, so viel wird schnell klar. Manchen gilt er schon als der Fachmann in Sachen nachhaltige Getränkewirtschaft und Gründer neuer Getränkemarken wenden sich mit Fragen gerne an ihn. Sie wollen wissen, wie man das macht, mit sehr schlanken Strukturen eine erfolgreiche Open-Franchise-Getränkemarke aufzubauen.

 

Interessengruppe Premium

Aus einer „Bande beleidigter Kunden“ (damals Afri-Cola-Kunden) formierte sich um die Jahrtausendwende eine Interessengruppe, die sich gegen heimliche Rezeptänderungen bei ihrer Lieblingsbrause zu Wehr setzte. Nachdem monatelange Versuche scheiterten, das Getränk hinsichtlich seines Geschmacks und ehemals beträchtlichen Koffeingehalts zu rehabilitieren, sah sich das Kollektiv gezwungen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen: Premium Cola war geboren und setzte an zu einem alles andere als stürmischen, aber stetigen Wachstum. Wer die ganze Geschichte nachlesen möchte, findet hier näheres. Premium Cola: revolutionärHeute, über zwölf Jahre später, hat Premium Cola 1650 gewerbliche Partner und 674 Verkaufsstellen, oft nur kleine Abnahmemengen, aber dadurch insgesamt eine große Stabilität, wie Uwe betont.

 

Ein Netzwerk und sein Betriebssystem

Was macht sie also aus, die Premium Cola? Koffein? Ja, davon enthält sie natürlich jede   Menge, ganze 25mg pro 100ml. Doch was die Brause wirklich einzigartig macht, ist das „System“, das hinter ihr steckt, das Kollektiv, welches das sogenannte Premium-Betriebssystem entwickelt hat, das allen Marken unter dem Premium-Dach zugrunde liegt. „Die eigentliche Macht von einem Konzept, wie wir es verfolgen, ist das Netzwerk von Leuten. Das ist es, worum ich mich seit 12 Jahren bemühe“, sagt Uwe und ergänzt: „Das Ausbalancieren der Bedarfe der einzelnen Stakeholder ist der Unternehmenszweck, nicht der Verkauf von Cola.“ Und das gelingt dem Kollektiv, wie sich das Netzwerk der Beteiligten nennt, ohne ein Premium-Büro, ohne die Getränke selbst zu produzieren und ohne eine Personen- oder Kapitalgesellschaft; auch Handel und Logistik sind ausgelagert – an selbständige Profis als regelmäßige Auftragnehmer, die aber alle mitentscheiden können.

 

Gewinne ausgeschlossen

Was den „Club“ eint, ist das Ziel, die Handlungsfelder Ökologie, Soziales und Ökonomie im Premium-System ein Einklang zu bringen und dabei den Beweis zu führen, dass Moral und Wirtschaft zusammen funktionieren können. Und das hat ganz konkrete Folgen: „Wir haben bei uns Gewinne ausgeschlossen. Wachstum in GrenzenGewinne sind nur für wenige gut“, erklärt Uwe. Das heißt aber nicht, dass größere Absätze, die Mitglieder des Kollektivs nicht profitieren lässt. Doch der Gründer stellt klar: „Niemand hat die Möglichkeit, durch einen variablen Anteil mehr zu verdienen, wenn er auf die Lieferanten tritt oder durch ein geschicktes Marketing einen höheren Preis zu verlangen. Das ist fixiert. Der Hebel funktioniert anders herum: Nur wenn wir es gemeinsam schaffen, mehr Partner zum Mitmachen zu bewegen, können wir alle mehr verdienen.“ Das jährliche Wachstum wurde bewusst auf 30% begrenzt, damit man bei den Vorfinanzierungen nicht in die Abhängigkeit von Kreditgebern gerät.

 

Tipps für Gründer:
Fünf Tipps, die Uwe Lübbermann Gründern mit auf den Weg geben würde:

  1. Zuhören – ALLEN zuhören (allen Mitarbeitern,
    allen Kunden, allen Konsumenten).
  2. Ein eigene Meinung bilden, dann auch unkonventionelle
    Lösungen anbieten (z.B. Antimengenrabatt).
  3. Langsam machen. Wenn es zu vermeiden ist, kein Geld aufnehmen
    und nicht gleich den Job kündigen. Zu viel Druck und Risiko.
  4. Konsequent dranbleiben. Nicht beirren lassen.
  5. Immer einen Plan B in der Tasche haben.

 

Nur auf den ersten Blick paradox: Der Anti-Mengenrabatt

Es gibt noch weitere Aspekte des Betriebssystem, die einen altgedienten Betriebswirt regelrecht vor den Kopf stoßen dürften: Der Anti-Mengenrabatt kehrt den konventionellen Mengenrabatt zugunsten der Kleinabnehmer um, die aufgrund der geringeren Mengen einen relativ hohen Aufwand mit dem Produkt haben. Sie zahlen also weniger als „Großabnehmer“. Klingt verrückt, aber es funktioniert. Der Lieferort ist weiter als ein paar Hundert Kilometer entfernt? Eine Belieferung wird trotz des Kundeninteresses wegen zu schlechter Ökobilanz abgelehnt, der Interessent aber zum Aufbau eines eigenen Standorts ermuntert. Und Werbung? „Werbung ist ja in der Regel Belästigung“, findet der Sprecher des Kollektivs. Und aus diesem Grund wird keine auffällige Außenwerbung gemacht. Wer sich hingegen selbst für Produkt und Philosophie interessiert, erhält detaillierte Auskunft und kann ohne Umwege mit den Köpfen hinter Premium Cola sprechen.

 

Vorteile müssen erlebbar gemacht werden

Sprechen, darauf kommt es ihnen an, auch mit denjenigen, die ganz anders ticken. Um etwas zu bewegen, muss man auf Menschen zugehen. Uwe rät daher: „Nicht nur mit jenen arbeiten, die schon genauso denken wie man selber, sondern regelmäßig mit Leuten in Kontakt kommen, die z.B. seit 30 Jahren straff „BWL“ machen. Diese muss man mit Argumenten gewinnen, die auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten überzeugen: Feste Spanne, Rücknahmegarantie, Anti-Mengenrabatt, persönliche Ansprechpartner und unkomplizierter Umgang. Und diese Vorteile müssen genauso erlebbar gemacht werden wie unsere Art der Zusammenarbeit, die stressfreier, stabiler, menschlicher und angenehmer ist. Das kann gut mal zwei Jahre dauern, bis man dann plötzlich einen Anruf bekommt: „Hey, wie geil ist das denn, was wir hier machen. Das hab ich ja jetzt erst kapiert.“

Übrigens: Das Betriebssystem vpremium cola bei smallternativeon Premium ist open source, kann also von jedem „kopiert“ werden. Für weitere Beratung oder gar ein Anschluss, an das Kollektiv, das außer Cola inzwischen auch Bier, Café, Mate- und Holunderbrausen anbietet, ist eine direkte Kontaktaufnahme problemlos möglich. Interessenten/innen können sich außerdem als Tippgeber/in, Starter/in oder Sprecher/in dem Kollektiv anschließen und dabei natürlich auch am Erfolg teilhaben.

 

Weitere Infos unter http://www.premium-cola.de/