Mehr über die smallternative-Idee

In Wirtschaft und Politik herrscht ein unerschütterliches Dogma: Wachstum und Größe seien für den Wohlstand und unsere Zukunft unverzichtbar. Es fragt sich nur, für welche Zukunft und für wen genau sie unverzichtbar sind. Denn die größten Probleme, mit denen wir uns konfrontiert sehen, scheinen aufs engste mit diesem expansiven Wirtschafts- und Lebensmodell verknüpft zu sein. Denken wir etwa an Klimawandel, Umweltzerstörung, Finanz- und Eurokrise oder den NSA-Skandal. Es sind Auswüchse, die nicht mehr kontrollierbar scheinen und deren Dimension individuellen Widerstand zwecklos wirken lassen.

Was also tun? Kurs halten und weitermachen? Offenbar für manche der einzige Ausweg. Krisen disziplinieren. Die Angst fördert Konformität und hemmt Kreativität. In der Bankenkrise wurde ein Begriff geprägt, der diesen Krisenmechanismus widerspiegelt: Die Rede ist von „Systemrelevanz“. Einzelne Banken, so wurde kolportiert, seien so groß, dass ihre Insolvenz den Kollaps der Finanzsysteme und damit ganzer Volkswirtschaften bedeutet hätte. Und als ob dieser Befund nicht der nötige Beweis für die Untragbarkeit des zuvor deregulierten Finanzsektors gewesen wäre, rettete man unter Verstoß gegen alle (Markt-)Regeln just dieses kollabierende System. Virtuelle Schulden der Finanzhäuser wurden zu realen Schulden der Staaten und damit der Bürger.

Diese Ereignisse veranschaulichen, wohin das dominierende Wirtschaftsparadigma führt: Machtkonzentration bei den Multis, Erpressbarkeit der Politik und ganzer Staaten, Verlust an zivilgesellschaftlicher Kontrolle über die Aktivitäten der längst global aufgestellten Player, die den einzelnen Nationalstaaten unter Androhung der Abwanderung den politischen Kurs diktieren können. Doch die Staaten als wehrlose Opfer der Konzerne darzustellen, griffe sicher zu kurz. Die Enthüllungen um die NSA haben gezeigt, wie eng und gegenseitig die Verflechtung von Staat und Wirtschaft (und von Staat und Staat?) sind. Die Riesen der IT-Branche haben ihre Kunden regelrecht verraten, indem sie dem Staat – oder sollten wir besser vom Leviathan sprechen – das größte, je in der Geschichte geschaffene Überwachungs- und Spionagesystem zur freien Disposition gestellt haben. Ohne die zentralen Strukturen, die sich durch Marktkonzentration herausgebildet haben, ohne die schiere Größe der involvierten Unternehmen wäre diese Totalüberwachung nicht denkbar gewesen.

Doch das war noch nicht alles. Ein entscheidender Spieler fehlt noch. Wer hat die angeblich 147 Unternehmen, welche die Weltwirtschaft kontrollieren, denn so erfolgreich gemacht? Sie allein? Wohl kaum. Und gibt es wirklich niemanden, der sie lenken und kontrollieren könnte?

Ja, jetzt wird es ungemütlich, denn die Rede ist von uns, von den Konsumentinnen und Konsumenten. Haben wir nicht auch ein Wörtchen mitzureden? Müssen wir uns mit dem Fazit „too big to fail“ zufrieden geben? Haben wir wirklich keine andere Wahl? Doch, das haben wir – und eigentlich wissen wir das auch.

Welchen Unternehmen gönnen wir Erfolg – und warum? Was geschieht mit unserem Geld, nachdem wir es ausgegeben haben oder während es auf der Bank liegt? Welches Produkt, welche „Brand“ hat unser Geld verdient? Am Ende liegt die Entscheidung in unserer Hand, was eine große Verantwortung bedeutet. Wir wissen, es ist mühsam, sich mit Fragen des ethischen Konsums auseinander zu setzen. Oft fühlt man sich überfordert, blickt bei den zahllosen Fairtrade- und Bio-Labels nicht mehr durch. Und dann kostet es auch noch mehr Geld. Aber wer könnte meinen, Veränderungen hätten keinen Preis? Und ist es nicht einen kleinen Aufpreis wert, das Geld dorthin lenken zu können, wo es etwas bewirkt, das uns allen zugute kommt, anstatt im schlimmsten Fall in Steueroasen zu verschwinden?

Aus diesem Grund wollen wir Euch Unternehmerinnen und Unternehmer zeigen, die anders wirtschaften, die Alternativen darstellen zur Marken-Monokultur, die zwar am Markt teilnehmen, ihn aber nicht zum Goldenen Kalb machen wollen: Entrepreneure und Firmen, die für andere Werte einstehen.

Wir nennen sie „smallternatives“ – genau wie ihre Produkte. Es sind Unternehmen, die nach Euch suchen, nach Konsumenten, die ihre Arbeit, ihre Ideen und „Philosophie“ wertschätzen. Bringen wir diese Wertschätzung nicht nur in Worten zum Ausdruck. Unterstützen wir uns dabei, konsequenter zu sein.

Let’s get smaller!