smallternative des Monats: Blühende Sneaker

OATshoes

Foto von OAT Shoes

Blühende was? Nein, ihr habt euch nicht verlesen. Unsere smallternative des Monats im November ist ein blühender Schuh. So etwas gibt’s. Und zwar von OAT Shoes.

OAT Shoes wurde 2009 von Designer Christiaan Maats in den Niederlanden gegründet. Mit der Virgin Collection entwarf er eine einmalige Schuhkollektion, die komplett kompostierbar ist.

Das ist vor allem im Sneakerbereich etwas besonderes. Denn die meisten sind weder besonder umwelt- noch gesundheitsfreundlich. Viele Materialien und Farben von Sneakern enthalten gesundheitsschädliche und sogar krebserregende Giftstoffe.

Die Sneaker von OAT Shoes sind 100% biologisch abbaubar, nicht giftig und sie werden in Europa handgefertigt. Und sie blühen.

OAT

Foto von OAT Shoes

Sie bestehen aus Bio-Baumwolle, Kork und Hanf, für die Sohle werden biologisch abbaubare Plastiksorten verwendet und in die Lasche der Sneaker wird Saatgut eingenäht. Kommt der Schuh dann auf den Kompost oder wird vergraben, erblüht einige Monate später daraus eine schöne Pflanze. Es gibt Gänseblümchen, Klatschmohn und andere Wiesenblumen.
OAT Shoes kann man bereits ab 139€ kaufen und damit sind sie nicht teurer als so manch andere Sneaker.

Aber nicht nur hinter den Schuhen steckt eine nachhaltige Idee. Die Verpackungen sind aus FSC Karton und mit giftfreier Tinte bedruckt.

Eine wunderbare Idee und eine schöne smallternative.

Mehr über OAT Shoes und ihre Philosophie findet ihr hier.

 

Kauf und Spende in einem – fraisr

Lukas von FraisrWie kann man bequem und ohne Kosten dafür sorgen, dass etwa Weihnachtseinkäufe auch Dritten, z.B. Hilfsorganisationen, zugute kommen? Mit Lukas Fischer von fraisr konnten wir vor kurzem ein Interview führen und erfuhren, wie man als Konsument ganz beiläufig spenden kann.

smallternative: Lukas, Du bist Mitgründer von fraisr, einem Online-Marketplace, der das Einkaufen und Verkaufen an Spenden knüpft. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Lukas: Wir – Alex, mein Mitgründer, und ich – haben bei unserer früheren Arbeit in einer Werbeagentur beobachtet, dass Projekte Resonanz erzeugen müssen, um relevant zu sein. Die meisten Unternehmen erzeugen keine Resonanz, weil die Interaktion mit ihren Kunden rein konsumistisch getrieben ist. Gleichzeitig gibt es viele Themen, die eine starke „Talkability“ aufweisen, die wir gerne „teilen“ und die hohe Aufmerksamkeit erzeugen können. Dazu gehören z.B. Themen aus dem sozialen Bereich oder aus dem Arbeitsumfeld der NGOs. Über Projekte mit sozialer Relevanz, z.B. Aktionen von Amnesty International, reden wir gerne, allerdings haben diese Organisationen Schwierigkeiten Geld zu bekommen. Wir dachten uns daher: Wäre es nicht eine gute Idee, wenn wir das Konsumieren mit dem verbinden, was wirklich relevant ist und den Konsum mit einer guten Tat und einem sozialen Moment verknüpfen können? So kamen wir auf das Konzept von fraisr.

smallternative: Wie genau funktioniert das Konzept? Wie läuft ein Kauf ab?

Lukas: Wir haben zwei Modelle. Das eine: Du listest ein Produkt als Verkäufer auf dem Marktplatz und bestimmst, welchem Spendenpartner ein Einkauf zugute kommen soll. Vier Wochen nach dem Verkauf ziehen wir dann den Spendenanteil ein und leiten ihn an den Spendenpartner weiter. Als Spendenpartner kann man sich wiederum gegen Nachweis der Gemeinnützigkeit listen lassen.
Das zweite Modell ist neu: Wenn Du als Online-Shop-Betreiber eine bestimmte Shopsoftware, konkret: Magento, nutzt, kannst Du ein Plugin von fraisr installieren und mit diesem jenseits vom fraisr-Marktplatz das fraisr-Prinzip in Deinem Shop nutzen. Die Produkte werden dann auch bei fraisr „gespiegelt“, der Verkauf findet aber im jeweiligen Online-Shop statt.

fraisr_marketplacesmallternative: Was treibt Euch an – was ist die Motivation von Dir und dem Team.

Lukas: Die Motivation von uns allen ist glaube ich, dass man das „Betriebssystem Kapitalismus“ auch anders bespielen kann. Wir denken, dass man die „Power“, die in diesem System steckt, geschickt nutzen, sozusagen „hacken“ kann, um seine Kraft auch Organisationen wie Sea Shepherd oder Reporter ohne Grenzen zugute kommen zu lassen. Dabei wollen wir soziales Engagement in Zielgruppen bringen, die damit bisher kaum etwas zu tun hatten und hoffen, dass ein solcher Einkauf mit Spende dann etwas auslöst – ein Umdenken bewirkt. Das wäre der Traum. Wir wollen die Leute niedrigschwellig einmal mit dem Thema in Berührung bringen und sie so motivieren. Wenn Geld unser Antrieb wäre, würden wir definitiv nicht fraisr machen.

smallternative: Welche Produkte und Unternehmer findet man bei Euch?

Lukas: Es gibt viele Leute, die von DaWanda kommen, weil ihre Produkte – z.B. Upcycling-Möbel – nicht ganz selbst gemacht sind und sie sich daher nicht ganz aufgehoben fühlen. Dann gibt es aber auch viele „normale Anbieter“, ganz aktuell z.B. Mercy Would aus Berlin, die handgemachte Brillen aus Berlin anbieten, oder die
asiatische Kochbox 4Noo, die jede Woche mit Zutaten für unterschiedliche asiatische Gerichte überrascht. Es ist interessant aus wie vielen unterschiedlichen Ecken Interesse für das fraisr-Prinzip kommt.

fraisr_Marktplatz

smallternative: Schauen wir einmal auf die Konsumentenseite – wie sieht es da aus? Wie sehr blicken die Konsumenten darauf, was mit „ihrem“ Geld nach dem Einkauf passiert.

Lukas: Ich will unseren Usern jetzt nicht zu nahe treten, aber ich glaube, dass wir mit dem Konzept eher vielleicht ein weiteres Argument liefern – vielleicht das Zünglein an der Wage sind. D.h. der Konsum steht schon im Zentrum. Wenn es ihnen nur ums Spenden ginge, könnten sie ja direkt spenden.

smallternative: Inwieweit würdet ihr euch als „smallternative“ bezeichnen?

Lukas: Erst einmal sind wir für alle smallternatives, also kleine Unternehmen, eine Möglichkeit Cause-Related Marketing zu machen. Man könnte uns also als eine Art Multiplikator im Long Tail (Anmerkung: „Long Tail“ meint die große Menge der Produkte, die keinen massenhaften Absatz finden) bezeichnen. Bei uns verkauft eben nicht Nike, sondern eher ein kleiner, der nicht die gleiche Power hat. Insofern sind wir auch ein Anlaufpunkt für smallternatives. Und im Moment sind wir selbst natürlich sehr klein gegenüber anderen Marketplaces.
Aber: Natürlich haben wir schon die Vision, dass das irgendwann groß und erfolgreich wird. Gerade in Deutschland wäre das wünschenswert, weil Deutschland – entgegen der Selbstwahrnehmung als „Spendenweltmeister“ – gar nicht so spendabel ist. Wir stehen gerade einmal auf Platz 34 beim World Giving Index, wenn ums Geldspenden geht.

smallternative: Das hätten wir auch nicht gedacht! Lukas, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute mit fraisr!

Let’s unfuck the world. Green Friday.

Auf ihrem Blog Green Friday sammeln Julia und Anna Ideen und Geschichten, die die Welt ein bisschen besser machen. Das machen die beiden sympathisch entspannt und ohne erhobenen Zeigefinger. Weil wir das ziemlich gut finden, haben wir uns mit Julia und Anna zum Interview getroffen.

smallternative: Wie seid ihr denn auf die Idee für euren Blog gekommen?

green_friday1

Julia und Anna von Green Friday.

Anna: Wir hatten in der Agentur, in der wir arbeiten, ein Projekt, in dem es um Nachhaltigkeit ging. Und in dem Zusammenhang dachten wir „Wir sollten unbedingt einen nachhaltigen Blog machen“, weil wir beide sehr in dem Thema aufgegangen sind.

smallternative: Und woher kam euer Interesse für Themen wie Nachhaltigkeit, Bio…?

Julia: Wir haben beide Eltern, denen das immer wichtig war. Das ist natürlich eine andere Generation, aus einer ganz anderen Zeit. Die waren mit ihrer politischen Aktivität noch mehr auf der Straße, als im Netz. Dadurch haben wir beide aber schon relativ früh das Interesse dafür mit auf den Weg gegeben bekommen. Beruflich sind wir in eine ganz andere Richtung gegangen, aber das Interesse war noch immer da und lag nur irgendwie ein bisschen brach. Wir haben das Thema Nachhaltigkeit für uns umgesetzt, aber das Gespräch und der Austausch mit anderen hat gefehlt. Das setzen wir jetzt mit unserem Blog um.

Anna: Ja und der Blog hilft auch dabei, die eigene Meinung zu festigen und sich mit Dingen intensiver auseinanderzusetzen. Zum Beispiel was irgendein Siegel für eine Bedeutung hat und was das tatsächlich bringt.

Julia: Und auch das Sammeln von dem Wissen, was schon da ist. Wir machen den Blog auch für uns selber. Wir beide haben wahrscheinlich durch Green Friday am meisten über Nachhaltigkeit gelernt. (lacht)
Und wir hatten auch immer das Gefühl, dass viele Blogs und Magazine, die sich mit diesen Themen beschäftigen, schon noch sehr ernst sind. Viele arbeiten mit Empörungsrhetorik und Schockbildern und Endzeitstimmungsgefühlen, die wir aber so gar nicht teilen. Wir haben das Gefühl, es gibt inzwischen total viele Leute, die ’ne coole nachhaltige Limonade machen oder die zum Beispiel total Spaß haben, vegan zu leben. Oder Leute, die gar nicht mehr fliegen wollen, sondern lieber ein Haus in Brandenburg haben und das viel geiler finden. Also Leute, die das auf eine ganz lebensbejahende, schaffensfreudige, kreative und trotzdem auch wirtschaftlich denkende Weise umsetzen. Und diese positive Herangehensweise haben nach wie vor gar nicht so viele Plattformen und das wollten wir eben auch ändern.

smallternative: Das fanden wir an Green Friday auch gleich gut, denn das sehen wir auch so. Ich denke, man kann mehr Menschen erreichen, wenn man ihnen eine gute Alternative zeigt und ihnen nichts verbieten will..

Julia: Wir haben trotzdem am Anfang an ein bisschen Gegenwind bekommen von Leuten aus unserem Umfeld, die gesagt haben „Du machst hier auf Vegetarier und hast aber eine Tasche aus Leder“ und so. Das ist seltsam, es gibt ganz viele Leute, die gar nicht nachhaltig leben und dann Leuten vorwerfen, dass diese nur ein bisschen nachhaltig leben. Und nicht 100%. Das war uns vorher gar nicht so klar, dieser Mechanismus. Bis er durch den Blog eben immer wieder aufkam. Dazu haben wir jetzt auch schon ganz viele Artikel geschrieben. Denn es ist wirklich absurd, dass jemand, der ganz viel Fleisch isst, jemanden verurteilt der nur ein bisschen Fleisch isst. Dagegen wollen wir auch ein bisschen anschreiben. Und wir haben an uns selber eben auch gemerkt, dass man auf viele Ideen kommt, wenn man einmal damit angefangen hat, Dinge zu ändern. Man darf eben auch erstmal anfangen nachhaltiger zu leben und muss nicht sofort alles perfekt machen.

Anna: Und ich finde, man darf sich auch ab und zu mal ein Paar Nikes kaufen. Natürlich wäre es besser, das gar nicht zu tun, aber dann bin ich bei diesem Punkt vielleicht nicht radikal genug. Es gibt aber manchmal zum Beispiel keinen anderen Schuh, der mir auch nur annähernd so gut gefällt. Ich mach das heute nicht mehr so oft, aber wenn ich ab und zu richtig Bock darauf habe, dann bin ich auch mal ein Konsumkind und das will ich dann auch sein dürfen. Jeder hat für sich Punkte, bei denen er ansetzen kann und die für ihn besonders wichtig sind. Und für mich ist zum Beispiel der Punkt Kleidung relativ schwer, da mir vieles an nachhaltiger Kleidung nicht gefällt.

Julia: Wobei es inzwischen viel mehre gute Labels gibt, als noch vor fünf Jahren.

smallternative: Ja, das stimmt. Aber ich finde es bei Schuhen zum Beispiel immer ziemlich schwierig. Anderes Thema: Was macht euren Blog aus? Und wie sind denn die Reaktionen eurer Leser?

Anna: Unser Blog ist relativ zeitlos. Veranstaltungstipps verfallen natürlich, aber ansonsten kann man Artikel, die wir vor zwei Jahren geschrieben haben auch heute noch gut lesen. Und dabei auch ein paar Veränderungen fest stellen. am Anfang von Green Friday habe ich beispielsweise noch Fleisch gegessen und das thematisiert, mittlerweile verzichte ich komplett darauf.

Julia: Einer, der meist geklickten Artikel bei uns ist einer über Alverde, ein kleiner Markencheck. Also: Was ist das? Wo kommt das her? Was weiß man darüber? Alverde macht ein relativ großes Geheimnis darum, wo sie produzieren. Und dadurch dass es so günstig ist, fragen sich ja schon viele Leute, wie das möglich ist. Der Artikel ist von 2011 und bis heute landen täglich Leser dadurch auf unserer Seite. Das ist aber auch ein gutes Zeichen, denn das zeigt, dass Leute sich nicht von einem Schild blenden lassen. Sie suchen im Internet und wollen herausfinden, was es mit einem Produkt auf sich hat. Das finde ich eigentlich total schön. Unsere Leser sind uns alle eigentlich sehr wohlgesonnen und sehr freundlich. Sie sind jetzt nicht besonders kommentarwütig, wie bei einem Netzkultur-Blog. Bei uns lesen die Leute, liken es vielleicht und dann war’s das. Und ein paar kommentieren oder schreiben mal eine Mail.

Anna: Wir hatten am Anfang mit mehr Kritikern und Pöblern gerechnet..

Julia: Vielleicht sind wir noch unter dem Radar.

smallternative: Vielleicht ist es auch eure andere Art der Herangehensweise.

Anna: Ja. Wir posten eben auch nicht nur Negativbeispiele und verurteilen Leute, sondern wir versuchen es eher positiv und schreiben zum Beispiel: „Hey, hier gibt‘ nen neuen geilen Kaffee und der ist übrigens auch noch fair gehandelt, statt zu sagen, „was bist du denn für ein schlechter Mensch, du trinkst ja konventionellen Kaffee.“

Julia: Wir zeigen auch immer den Weg zu unserer Meinung, was für Fakten wir recherchiert haben.

smallternative: Ja, und so lasst ihr den Leuten am Ende ja auch immer die Wahl. Dann können sie selber entscheiden. Bei vielen Dingen ist es ja auch einfach nur wichtig, dass man überhaupt mal anfängt, darüber nachzudenken. Und einen Anstoß bekommt…

Julia: Und dafür ist so ein Blog eine total schöne Basis. Dadurch denkst Du nicht nur über etwas nach und behältst es für dich, sondern kannst damit auch noch produktiv sein, indem Du deine Gedanken und Ideen mit anderen Menschen teilst. Man lernt dadurch ja auch andere Leute kennen und hat einen Aufhänger, um sich mit ihnen zu treffen und auseinanderzusetzen. Es ist echt ein schönes Hobby.

Anna: Und man kann nicht so schnell faul werden dadurch. Wenn es uns mal passiert, dass es eine Woche keinen neuen Artikel gibt, haben wir sofort ein schlechtes Gewissen. Und das will man ja vermeiden. Manche Dinge fliegen einem zum Glück immer mal wieder zu. Manchmal ist es allerdings auch richtig Arbeit, sich ein Thema zu suchen und darüber zu schreiben. Dadurch hält man sich aber auch so wach und aktiv.

Julia: Im Blog haben wir aber auch immer eine gute Mischung. Wir haben ein paar ganz green_friday2ernsthafte, gut recherchierte und aufwändige Artikel. Das gibt uns ein sicheres Gefühl, dass wir auch wissen, worüber wir reden. Dann haben wir aber auch „Spaßmach“-Artikel, einfach ein gutes Gefühl hinterlassen. Und das ist ja auch in Ordnung. Wenn man beides gut mischt, kann man sich auch gut darstellen und all seine Facetten zeigen. So sind wir beide eben auch als Menschen. Ich kann den ganzen Tag über ein ernstes Thema nachdenken und abends dann aber auch mal einen Schnaps trinken gehen. Das ist Green Friday. (lacht)

smallternative: Danke für das nette Interview und euch weiterhin ganz viel Erfolg mit Green Friday!

Heldenhaft konsumieren. Eine Veranstaltungsempfehlung.

Heldenmarkt

Foto von Heldenmarkt

Der Heldenmarkt ist eine Messe für nachhaltige Alternativen (also auch für viele smallternatives ;)) aus allen Lebensbereichen. Man kann sich informieren, probieren, kaufen und sich unterhalten lassen. Es gibt Shows, Diskussionen und Vorträge.

 

„Das Ziel: Eine nachhaltige Lebensweise, die im Einklang mit den natürlichen Ressourcen der Erde steht. Viele erste Schritte sind ganz einfach: Den Stromanbieter wechseln und “echten” Ökostrom beziehen. Nach Möglichkeit regionale, saisonale Lebensmittel und zertifizierte Ökoprodukte kaufen. Beim Kauf von Kleidung Bio-Baumwolle der konventionellen vorziehen, fairen Handel mit dem Kauf von Fairtrade-Produkten unterstützen…“

 

Finden wir alles ziemlich super und deswegen werden wir am Wochenende auch auf jeden Fall im Postbahnhof sein. Ihr auch? :)

 

Wann?
Sa, 16. Nov 2013, 10:00 – 20:00 Uhr und So, 17. Nov 2013, 10:00 – 18:00 Uhr

(An den Nachmittagen ist es wohl sehr voll. Also lieber vormittags oder abends hingehen. )

 

Wo?

Postbahnhof
Straße der Pariser Kommune 8
10243 Berlin

(barrierefreier Veranstaltungsort, Behinderten-WC vorhanden)

 

Wer?

Die Gesamtliste der Aussteller gibt’s hier.

 

Wieviel?

Der Eintritt beträgt 7,00 EUR normal, 5,00 EUR ermäßigt

gilt für SchülerInnen, Auszubildende, StudentInnen, Arbeitssuchende, Hartz IV-EmpfängerInnen, RentnerInnen, Schwerbehinderte (bitte Nachweis vorlegen).

Freier Eintritt Kinder bis 14 Jahre und für Begleitpersonen von Schwerbehinderten.

Hunde müssen leider draußen bleiben.

 

Achtung!

In diesem Jahr steht leider kein EC-Automat vor Ort zur Verfügung. Also lieber vorsorglich ausreichend Bargeld mitnehmen.

Faire Elektronik? – Die faire Maus macht einen kleinen Anfang in der Elektronikbranche

Bei Lebensmitteln und Kleidern sind Fairtrade- und Bio-Produkte inzwischen relativ verbreitet. In der Technik- und Elektronikbranche war das bisher jedoch nicht der Fall. Jetzt gibt es das erste Fairphone und es gibt auch eine faire Maus. Das Team der fairen Maus möchte eine Alternative zu den „unfairen“ elektronischen Geräten bieten und will zeigen, dass es auch anders geht. In der aktuellen Version der Maus ist die Lieferkette zu zwei Dritteln fair. Das Ziel ist am Ende eine zu 100% fair gehandelte Maus anbieten zu können. Wir haben uns mit Alex von der fairen Maus getroffen und uns die tolle Gründungsgeschichte erzählen lassen:

 

variationensmallternative: Susanne hatte ja die Idee zur fairen Maus und hat auch das Unternehmen gegründet. Sie ist eigentlich Geografin und hat nichts mit der IT-Branche zu tun. Wie kam sie auf die Idee?

Alex: Sie denkt viel über das Leben nach und war schon immer sehr engagiert. Irgendwann hat sie sich dann darüber gewundert, dass es keine fairen Smartphones, Computer oder Zubehör gibt und dann hat sie angefangen zu recherchieren. Überall kann man Bio kaufen, es gibt immer mehr Fairtrade-Siegel, aber für Technik gibt es das gar nicht. Das hat Susanne geärgert, also hat sie selbst losgelegt. Die ersten zwei Jahre hat sie dann erstmal geschaut, was überhaupt alles in eine Maus gehört und woher man die Einzelteile bekommt.

smallternative: Und dann hat sie mit der Umsetzung angefangen?

Alex: Man braucht natürlich auch Startkapitel, da man eine Form drucken lassen muss und die kostet 20.000€. Das konnte sie aus Eigenkapital vorstrecken und dann konnte sie starten.

smallternative: Wow, toll. Wie waren denn dann die ersten Reaktionen?

Alex: Also auf den Messen waren die Reaktionen total positiv, aber die Produktion war sehr schwer. Die meisten Firmen wollten da am Anfang nicht mitmachen. Die Zulieferer für die Einzelteile wollten Produktionsziele und Zahlen für die Auflage haben und die Informationen hatten wir ja am Anfang einfach nicht. Da musste Susanne viel Überzeugungsarbeit leisten und spezielle Firmen finden. Sie ist auch oft direkt hingefahren und hat persönlich mit den Herstellern gesprochen und sie überzeugt. Jetzt arbeitet sie mit ein paar Behindertenwerkstätten und anderen Firmen.

smallternative: Wir waren auch überrascht, dass die Maus (ab 29,90€) gar nicht so viel teurer ist, als eine „unfaire“ hochwertige Maus…

Alex: Susanne hat ganz viele Umfragen gemacht und Tests und die Leute waren auch bereit, so viel zu zahlen. Die Produktion war auch günstiger, als gedacht. Sie macht ja auch keinen Gewinn mit der Maus und schlägt deswegen kaum etwas drauf. Deswegen können wir die Maus zu diesem Preis anbieten.

smallternative: Ihr sagt ja auch auf eurer Seite, dass die Maus momentan noch nicht zu 100% fair ist. Wie fair ist sie denn?

Alex: Wir sind jetzt bei über 50%. Und Bio ist die Maus auch. Das Gehäuse kann man in den Biomüll werfen und auch sonst arbeiten wir mit Recyclingstoffen und man kann die Maus reparieren. Die faire Produktion steht aber im Vordergrund. Im Oktober war Susanne persönlich in China und hat sich dort ein Werk angeschaut, damit die nächsten Schritte bei der fairen Maus umgesetzt werden können. Unser Ziel ist dann eine 100% faire Maus. Manche Sachen sind wirklich sehr schwer zu finden. Ein paar Leiterplatten gibt es nur bei ein paar Herstellern in China, die man persönlich nicht erreichen kann. Dadurch ist es schwer dafür eine Alternative zu finden.

smallternative: Vielen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Mehr Hintergrundinfos gibt es hier.

Ist Altpapier nicht grau und rau? Ein Besuch bei Polly Paper

Polly Schmincke hat jahrelang nach umweltfreundlichen Malblöcken und Schreibwaren für ihre Kinder gesucht und nichts gefunden. Gibt es etwa keine recycelten Schulhefte mehr? Kann man umweltfreundliche Schreibwaren nur bestellen? Das ist doch eine Marktlücke. Das dachte sich auch Polly und verkauft seit August 2012 nun selbst umweltfreundliche Schreibwaren in ihrem schönen Laden Polly Paper. Wir haben sie besucht und mit ihr über schöne Schreibsachen, Nachhaltigkeit und bewusstes Leben gesprochen:

polly2smallternative: Polly, wie bist Du auf die Idee für deinen Laden Polly Paper gekommen? Und wie war der Start?

Polly: Ich habe mich geärgert, dass ich in keinem Schreibwarenladen in meiner Umgebung Recyclingpapier finden konnte und das in Berlin. Also es gab nur einen Laden am anderen Ende der Stadt. Ein Wendepunkt war auch der wahnsinnige Papierverbrauch meiner Kinder. Meine beiden Kinder sind mal- und zeichenwütig und sie haben immer irre viel frisches Papier verbraucht, was dann danach in den Müll gewandert ist und da habe ich Malblöcke aus Recyclingpapier gesucht. Dann habe ich im Internet gesucht und bin auf memo gestoßen. Dort habe ich dann bestellt, aber nur für ein paar unlackierte Bleistifte wollte ich auch nicht immer Versandkosten zahlen. Mehr aus Spaß habe ich manchmal zu meinem Mann gesagt „Irgendwann mache ich selbst so einen Laden auf“. Er hielt das nur für eine spinnerte Idee. Und dann kam der 40. Geburtstag und die Midlife-Crisis. (lacht) Auch im Beruf gab es den Punkt, dass ich das Gefühl hatte, das ich nicht weiterkomme und was ganz Neues machen muss. Und dann bin ich zu einem Existenzgründerseminar und habe mit acht anderen Frauen unsere Ideen besprochen. Da wurde ich darin bestärkt, einen eigenen Laden aufzubauen. Durch ein gutes Berliner Programm „Start:Chance“ habe ich dann ein Coaching geschenkt bekommen und wurde von einem Unternehmensberater darin unterstützt das Ganze aufzubauen. Monatelang habe ich ein Ladenlokal gesucht und Ende August habe ich den Laden dann aufgemacht.

smallternative: Wie war bisher die Resonanz der Kunden und wie läuft es?

Polly: Ich bekomme wahnsinnig viel positives Feedback. Damit habe ich gar nicht DSC_9747gerechnet, dass so viele Kunden im Laden stehen und so begeistert sind und sagen „Ach, so was habe ich seit Jahren gesucht“. Teilweise kommen sie vom anderen Ende der Stadt, weil sie mich im Internet gefunden haben. Aber es sind natürlich immer noch zu wenig, ich verdiene noch nichts. Ich kriege die Miete rein, die hier in Mitte ziemlich hoch ist, aber es muss schon noch deutlich mehr werden, damit sich das irgendwann trägt. Ohne das feste Gehalt meines Mannes könnte ich das nicht machen. Auch nicht ohne seinen Einsatz für unsere Kinder, für die ich leider seit Ladeneröffnung wenig Zeit habe.

smallternative: Kannst Du ein bisschen was zu den Marken erzählen, die Du im Sortiment hast?

DSC_9759Polly: Der Gründer meines Hauptlieferanten (memo) hat schon als Jugendlicher auf dem Schulhof Umweltschutzpapier-Hefte verkauft. Rund 30 Jahre später ist er für sein Engagement in all den Jahren mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden, dem höchstdotierten Umweltpreis. Mein zweitgrößter Lieferant ist die Firma Venceremos aus dem Münsterland. Die haben in den 70er/80er Jahren angefangen mit fair gehandeltem Kaffee und Nicaragua-Projekten. Dann ist Umweltschutzpapier dazu gekommen. Heute sind sie – soweit ich weiß – der größte Hersteller von Schul- und Notizheften aus Recyclingpapier. Von Venceremos beziehe ich Schulhefte, viele Notizbücher und Ordner. Dann WUP aus Hamburg und ökoNORM aus Sachsen-Anhalt. Die Gründer all dieser Unternehmen (auch memo und Venceremos) kennen sich meist schon aus den 70 oder 80er Jahren. Dann habe ich aber auch ganz viele junge Unternehmen, wie 1973 aus England oder Ecojot aus Kanada. Da hatte ich auch eine Weile überlegt, ob es ob es ökologisch vertretbar ist, Sachen aus Kanada zu importieren. Aber die arbeiten so nachhaltig, dass es immer noch besser ist, sie zu importieren, als konventionelle deutsche Frischfaser-Produkte zu nehmen. Die produzieren in Kanada ihre eigene Energie für die Produktion, benutzen mineralölfreie Druckfarben und Altpapier. Ein ganz tolles Unternehmen. Aus Frankreich habe ich noch ExaClair. Da gibt es die Serie „Forever“, das sind nur Recyclingprodukte. Da war ich ganz überrascht, das ich aus Frankreich so schöne ökologische Produkte gefunden habe. Solche Sachen hatte ich vorher in keinem Laden gesehen, die habe ich dann auf der Schreibwarenmesse gefunden. Die ersten sind jetzt aber auch schon auf mich zugekommen, wie die junge Firma paperscreen aus Hamburg. Die machen Blöcke im Format von iPhone und iPad und alles aus Recyclingpapier.

smallternative: Dein Konzept ist ja wirklich total durchdacht. Wie wichtig ist Dir denn das Thema Nachhaltigkeit in deinem Leben?

Polly: Das ist mir sehr wichtig. Ich versuche, möglichst nachhaltig zu leben und zu DSC_9752arbeiten. Das Geld geht zur GLS Bank, ich beziehe Ökostrom, habe beim Renovieren des Laden auf ökologische Produkte geachtet, verwerte fast alle Verpackungsmaterialien wieder. Ich kaufe nur Bio-Lebensmitteln und Putzmittel ein, kaufe viele Dinge gebraucht, auch Kleidung, fahre nur Fahrrad  und versuche, auch meine Kinder für Umweltaspekte zu sensibilisieren. Ich versuche, das Fliegen zu vermeiden und wenn, dann durch atmosfair auszugleichen. Das ist schon etwas, was alle meine Lebensbereiche betrifft.

smallternative: Vielen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg! Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Polly Paper hat übrigens seit einer Weile auch einen Onlineshop! :)

Noch mehr zum Thema Recycling und Umweltschutz könnt ihr hier nachlesen.

smallternative des Monats: Leef Teller

„Was soll ich denn sonst benutzen?“ „Da gibt’s keine Alternative.“ „Ach, das gibt’s auch anders?“

Wir denken, dass es für (fast) alle kleinen und großen Produkte, für Dienstleistungen und Gebrauchsgegenstände gute Alternativen gibt. Und zwar smallternatives. Wir wissen aber auch, dass es unheimlich viel Zeit kostet, zu recherchieren und für Kleinigkeiten eine Alternative zu finden. Wer hat schon Lust zwei Stunden zu suchen, um eine fair produzierte Zahnpasta zu kaufen? Manchmal ist es auch einfach schwer eine Entscheidung zu treffen, weil man nicht genug Infos hat. Deswegen wollen wir euch dabei helfen und hier jeden Monat (vielleicht auch irgendwann jede Woche :) ) eine smallternative vorstellen.

 

plates-round-l-frontWir starten mit Leef, einer echten smallternative zu Plastik- und Wegwerfgeschirr.

Die Teller von Leef bestehen aus natürlich zu Boden gefallenen Palmblättern und werden komplett ohne Chemikalien hergestellt. Sie sind wiederverwendbar und können später auf dem Biomüll entsorgt werden, da sie vollständig kompostierbar sind.

Hergestellt werden die Leef-Teller in Indien, in einer kleinen Manufaktur in Tamil Nadu. Dort arbeitet Leef nur mit lokalen Kleinbauern und Unternehmern zusammen, die sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzen. Dadurch werden die Menschen vor Ort unterstützt.

Wer mehr über die Philosophie von Leef oder die Verarbeitung der Plamblätter erfahren will, kann alles auf ihrer Website nachlesen.

Egal ob für die nächste Party, eine Veranstaltung oder Grillabende nächsten Sommer: Wir finden Leef ist ’ne super smallternative.

 

*Wenn euch selbst mal eine tolle smallternative über den Weg läuft, schreibt uns und sagt Bescheid. Wir berichten gerne darüber. 

Fräulein Burger – „Bessere Burger für eine bessere Welt“

_DSC5085_web

Foto: Sarah Heuser/HiPi

Manche Mädchen träumen im Teenageralter von ihrer Hochzeit oder einem eigenen Pferd. Aber es gibt auch welche, die träumen von einer Burger-Kette. Katharina Guntermann wollte insgeheim schon immer einen eigenen Burgerladen eröffnen, mit richtig guten, frischen und gesunden Burgern. Da der erhoffte Lotto-Gewinn aber ausblieb, studierte sie Kulturwissenschaften und ging erstmal einer „ganz normalen“ Beschäftigung nach. Wie sie dann doch noch zu dem eigenen Laden kam und was hinter dem Konzept von „Fräulein Burger“ steckt, hat sie uns im Interview erzählt:

 

smallternative: Hallo Katharina, wie bist Du denn doch noch zu einem eigenen Burgerladen gekommen?

Katharina: Ich habe nach dem Studium in meinem Job gearbeitet und das war auch erst alles ganz wunderbar. Dann habe ich aber so vor 3 Jahren eine kleine verfrühte Midlife-Crisis gekriegt und konnte es mir überhaupt nicht vorstellen, für den Rest meines Lebens nur vor dem Computer zu sitzen. Und dann habe ich mir die Frage gestellt, was ich machen würde, wenn ich nie wieder arbeiten bzw. Geld verdienen müsste, so klischeemäßig das klingt. Die Antwort war, dass ich einen Burgerladen machen würde und dann dachte ich: “Ok, dann mach halt diesen Burgerladen, das wird ja schon irgendwie machbar sein.”
Da ich die Idee ja eigentlich schon Jahre hatte, habe ich natürlich auch immer die

Foto: Sarah Heuser/HiPi

Foto: Sarah Heuser/HiPi

Entwicklungen verfolgt. Als dann der Bio-Gedanke in den Fast Food Bereich kam, war das der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich es wirklich jetzt machen muss, weil ich sonst zu spät bin und es jemand anderes macht. In Australien und England gibt es das in ähnlicher Weise nämlich schon eine Weile und es war nur eine Frage der Zeit. Dann habe ich kurzerhand meinen Job geschmissen, zwei Jahre in der Gastronomie gearbeitet, nebenbei noch mal studiert und habe mir alles Wissen erarbeitet, was ich für den Start brauchte. Ich hatte vorher nämlich noch nie in der Gastronomie gearbeitet und auch noch nie professionell einen Burger gemacht. Danach habe ich einen Businessplan geschrieben und habe tatsächlich eine Bank gefunden, die das mit mir umsetzen wollte. So habe ich das dann als One-Woman-Show umgesetzt. Ich hatte zum Glück wahnsinnig viele Unterstützer, eine Designerin, einen Architekten und und und, die teilweise am Anfang auch umsonst für mich gearbeitet haben, als noch nicht klar war, ob ich den Kredit bekomme. Und so ist es dann zu diesem Laden gekommen. (lacht)

smallternative: Wie waren denn dann die ersten Rekationen deiner Kunden?

Katharina: Es war der Wahnsinn. Da ich im Kunstbereich viel Marketing gemacht habe, hatte ich auch in meinem Businessplan ein tolles Marketingkonzept mit jeder Menge kreativen Ideen. Dadurch dass der Umbau jedoch eine ziemliche Katastrophe war und wir am Ende auch noch sehr viel selbst umgebaut und renoviert haben, kam ich überhaupt nicht dazu, irgendwelche Werbung zu machen. Ich habe nicht mal Flyer verteilt. Deswegen dachte ich, dass kaum jemand kommen wird. Am Tag der Eröffnung haben wir dann noch die letzten Glühbirnen reingedreht und um 12 Uhr aufgemacht. Und es war bis abends um 21 Uhr voll und ich wir hatten dann keine Ware mehr, weil alles leer gegessen war. Es hat sich dann total schnell rumgesprochen und wir hatten von Anfang an ziemlich schnell viel Presse. Ich habe bis heute noch keinen Punkt meines tollen Marketingplans umgesetzt. (lacht) Wir haben ziemlich viel Stammgäste, die hier arbeiten oder wohnen, aber wir haben auch immer wieder Laufkundschaft und viele Menschen, die extra hierherkommen, weil sie von uns gehört haben.

smallternative: Deine Burger sind aber ja nicht nur gesund und frisch, Du achtest ja auch sehr auf Nachhaltigkeit, Bio-Qualität und regionale Produkte…

frlburger3Katharina: Das hat was damit zu tun, dass ich selbst ein sehr straighter Mensch bin. Deswegen war von vorneherein klar: Wenn ich etwas mache, dann mache ich es straight. Es gibt ja viele Läden, die Burger mit Biofleisch anbieten. Die haben dann aber normalen Ketchup, normale Brötchen und eine Styroporverpackung. Für mich war klar, dass es Biofleisch sein muss und wenn ich mit Bio anfange, dann soll auch alles Bio sein, sonst ist das albern. Jetzt machen wir so gut wie alles selbst. Dieses Selbermachen war am Anfang gar nicht Teil des Konzepts, aber da man viele Sachen nicht in Bio-Qualität kaufen kann oder schwierig bekommt, haben wir angefangen, die Sachen selber herzustellen: Wir machen jetzt eigentlich alles außer den Getränken selber. So ist das Ganze dann gewachsen.

smallternative: Das fanden wir aber auch sofort so toll an Fräulein Burger, dass das ganze Konzept nachhaltig gedacht ist..

Katharina: Ja, das war mir einfach wichtig. Deswegen sind meine Verpackungen und mein Besteck auch aus recycelten und kompostierbaren Materialien. Bei meiner Suche bin ich dann auf viele, kleine tolle Unternehmen gestoßen. Unsere Tische sind beispielsweise aus aufbereiteten alten Berliner Dielenbrettern. Wir beziehen natürlich auch Ökostrom und selbst unsere Spülis sind Bioqualität. Unser Bier ist aus Potsdam und unsere Limo aus Kreuzberg. Wenn es irgendwo die Möglichkeit gibt, eine nachhaltige, regionale oder ökologische Alternative zu nutzen, dann machen wir das natürlich. Aber es gibt immer wieder Dinge, wo man leider noch nichts Regionales findet.

smallternative: Schön auch, dass es so gut angenommen wird.

Katharina: Ja, total. Es gab natürlich auch Leute, die gesagt haben, dass niemand so viel Geld für einen Burger, also für Fast Food ausgibt.

smallternative: Wir fanden es gar nicht so teuer. Es kommt ja immer darauf an, mit was man es vergleicht..

Katharina: Genau! Wir haben unheimlich hohe Wareneinsatzkosten, das hat ja nichts mehr mit Fast Food zu tun. Wir benutzen Bio-Rindfleisch von Freilandrindern aus Brandenburg, die von morgens bis abends in der Sonne stehen und Gras fressen. Das ist ein kleiner Verbund (Biopark), der ziemlich strenge Kriterien hat, das ist also noch mehr als “nur” Bio. Wir haben von der Produktqualität das höchste, was man kriegen kann: regionale Bioqualität. Vom Öl bis zum Pfeffer ist alles Bio. Und sogar unsere Dinkelvollkorn-Brötchen werden extra für uns gebacken. Zum Glück haben es aber wirklich viele Leute kapiert. Burger ist eben nicht gleich Burger und unsere Burger haben so gesehen nichts mit Fast Food zu tun. Die Qualität der Produkte ist uns total wichtig und wir stecken sehr viel Zeit rein. Aber ich bin total happy, dass es so viele Leute gibt, die das alles verstehen und die herkommen und total begeistert sind. Das hat mir auch gerade am Anfang so viel Energie gegeben.

smallternative: Danke für das nette Gespräch! Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Langfristig plant Fräulein Burger noch mehrere Läden zu eröffnen! Wir freuen uns drauf!

 

Los, los hin da und lecker Burger essen:

Fräulein Burger
Koppenplatz 1
10115 Berlin

Tel. 030 46720908
mail@fraeuleinburger.de

S-Bahn (S5/S7/S75) Hackescher Markt / (S1/S2/S25) Oranienburger Strasse
U-Bahn (U8) Rosenthaler Platz / Weinmeisterstraße

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12.00 Uhr bis 22.00 Uhr
Alle Speisen und Getränke auch zum Mitnehmen!
Alle Burger gibt es auch in vegetarischen und veganen Variationen!

Reconquista: Erst Hamburg, jetzt Berlin!

Stromversorgung für rund 3.5 Millionen Menschen? Keine kleine Sache, sollte man meinen. Doch gegenüber dem Energieriesen Vattenfall, unter dessen Kuratel bisher Berlins Lichter angingen, wäre eine Lösung in kommunaler Hand tatsächlich eine smallternative. Was Hamburg vor zwei Wochen geschafft hat, könnte nun auch in Berlin bevorstehen, wo es zudem um eine strikte Wende hin zu Strom aus erneuerbaren Energien geht. Da die Verträge mit dem Versorger auslaufen, bietet sich nun die Chance zur Rekommunalisierung.

 

Die Initiative „Berliner Energietisch“ hat mit viel Engagement einen Volksentscheid erkämpft, der über die Zukunft der Berliner Energieversorgung entscheiden soll. 265.000 Menschen haben sich für das Volksbegehren ausgesprochen, weshalb dieses nun am 3. November durchgeführt wird. Dann werden allerdings 620.000 Stimmen nötig sein, von denen wiederum die Mehrheit dem Entwurf des Energietischs zustimmen muss. So sehen es die Regelungen zum Volksentscheid vor.

volksabstimmung
Besonders brisant: Die Initiative hatte von Anfang an darauf hingearbeitet, die Abstimmung zum Volksentscheid mit der Bundestagswahl zu verbinden. Dies wäre auch möglich gewesen, wurde jedoch vom Berliner Senat unter Vorwänden verhindert, obwohl durch die separate Durchführung unnötige Kosten von über einer Million Euro entstehen werden. Die Krux: Zum gesonderten Abstimmungstermin werden sich die nötigen 25% der Wahlberechtigten nur unter viel größerem Auwand mobilisieren lassen. Die sonst so vollmundig von Bürgerbeteiligung schwärmenden Regierungsparteien (Koalition von SPD und CDU) hätten hier Gelegenheit gehabt, ihren Worten Taten folgen zu lassen. Stattdessen übt man sich im Bremsen und Bedenkentragen.

Deshalb wollen wir Euch alle bitten – auch diejenigen, die nicht in Berlin leben, aber dort Freunde haben – den 3. November nicht zu vergessen und zu informieren. Das Kalkül der großen Koalition darf nicht aufgehen. Laut Umfragen sind 62% der Berlinerinnen und Berliner für die sozial-ökologisch orientierte Rekommunalisierung der Energieversorungung. Stimmen wir ab. Jetzt erst recht!

Mehr Infos (auch zur Briefabstimmung) unter http://www.berliner-energietisch.net/.

Ein fairer Online-Marktplatz in Hand der Nutzer*innen. Fairnopoly.

Fairnopoly hat sich viel vorgenommen, denn sie wollen eine echte Alternative zu Marktriesen wie Amazon, Ebay, Zalando & Co. werden. Und gleichzeitig ist Fairnopoly viel mehr als „nur“ ein Online-Marktplatz. Fairnopoly ist eine Genossenschaft 2.0 und will damit ein faires Unternehmensmodell aufbauen. Außerdem möchten sie mit dem Marktplatz verantwortungsvollen Konsum fördern und einen Beitrag zur Korruptionsbekämpfung leisten. Klingt alles ziemlich gut und deswegen haben wir uns mit einem kleinen Teil des Teams getroffen und über ihre Ziele, Transparenz und Wirtschaft gesprochen.

 

smallternative: Kannst Du uns kurz von der Gründungsidee und -geschichte erzählen?

DSC_0228Felix: Fairnopoly hat eine relativ lange Gründungsgeschichte. Die Idee war ursprünglich die Frage: Wie kann man ein Unternehmen gründen, das netzwerkfinanziert ist, von jungen Leuten, die sich gegen Korruption einsetzen?
Dann kam die Fragen nach einem sinnvollen Geschäftsmodell und je länger ich darüber nachgedacht habe, hat sich das wieder mit einer anderen Frage verbunden, nämlich wie man ein Unternehmen aufbauen kann, das selbst korruptionsresistent ist und gleichzeitig auch zu einer faireren Wirtschaft beiträgt. Denn das Wirtschaftssystem, so wie wir es aufgebaut haben, bringt Korruption mit sich, meiner Meinung nach. Dann kam die Idee mit dem Online-Marktplatz und das Team wuchs immer mehr. Viele Gedanken wie Fairtrade und Nachhaltigkeit kamen dann auch mit dazu. Und mittlerweile ist daraus dieser faire Online-Marktplatz in Hand der Nutzerinnen und Nutzer entstanden, der als Genossenschaft konzipiert ist.

smallternative: Und wie genau funktioniert das?

Felix: Also, Fairnopoly ist ein Marktplatz, der den Nutzerinnen und Nutzern auch wirklich gehören kann. Jeder der möchte, kann davon Anteile kaufen, den Marktplatz kontrollieren und auch an den Gewinnen teilhaben, wenn das Unternehmen Gewinn macht. Niemand kann Riesen-Anteile kaufen und die Gewinne sollen an viele verteilt werden. Das ist auch ein Kernelement des Ganzen. Das Unternehmen soll so aufgebaut werden, dass es nicht im großen Stil umverteilt, sondern „zurück verteilt.“ Gleichzeitig will Fairnopoly verantwortungsvollen Konsum fördern. Und zwar dort, wo die Leute konsumieren. Fairnopoly soll ein Massenmarktplatz werden, der Ebay und Amazon ersetzt (lacht). Ein Marktplatz, wo jeder Normalnutzer alles bekommt, aber gleichzeitig sieht, dass es auch Alternativen gibt: Schöne Dinge, die fair produziert werden. Diese bekommt der Nutzer gezeigt, ohne gezwungen zu sein, sie zu kaufen. Mit einem Klick auf einen Filter wird der Marktplatz zu einem fairen Marktplatz. Aber erstmal ist Fairnopoly ein fairer Marktplatz, weil das Unternehmen dahinter fair ist.

smallternative: Was waren denn bei diesem Modell die größten Herausforderungen?

Felix: Das Modell ist ja so konzipiert und gestartet, aber es ist noch in der Babyphase. Also da werden noch Herausforderungen kommen, ganz sicher. Es ist natürlich eine DSC_0230Herausforderung ein Unternehmen zu gründen, das sich auf den Einsatz vieler bettet und gleichzeitig am Anfang ohne viel Geld auskommen möchte. Es war eine große Herausforderung erstmal überhaupt bekannt damit zu werden und die Idee so in Form zu bringen, dass viele Leute schnell davon überzeugt sind. Das hat uns einige Zeit gekostet, aber dann haben wir das ja gut hingekriegt, so dass viele Leute bereit waren, Fairnopoly auch finanziell zu unterstützen.

Ulrike: Ein Thema war und ist auch die Kommunikation. Wie viel müssen wir nach außen kommunizieren? Und wie schaffen wir das, obwohl wir alle wenig Zeit haben? Welche Diskussionen müssen wir mit unseren Investoren führen? Mit diesen Themen müssen wir uns immer wieder beschäftigen.

Felix: Das ist auch der richtige Ansatz. Wir müssen immer offen für Kommentare bleiben und versuchen, eine Plattform für Diskussionen zu sein, ohne die perfekten Antworten zu haben.

Kim: Ein großes Problem ist auch, den Vorsätzen und Idealen, die man am Anfang hat, treu zu bleiben. Vor allem dann, wenn alle überlastet sind und viel zu tun haben. Man hat dann kaum noch Zeit alles umzusetzen, was man sich am Anfang vorgenommen hat.

smallternative: Was ist denn eure Vision? Was würdet ihr gerne mit Fairnopoly erreichen/verändern?

Unbenannt

Felix: Also für mich steht hinter Fairnopoly die Vision eines „fairen Subwirtschaftsraumes“, so habe ich es mal in einem Blogpost genannt. Dahinter steckt die Idee, einen Raum zu schaffen, in dem man in der Wirtschaft agieren kann, ohne unfair handeln zu müssen. Das ist heutzutage nicht möglich. Dazu gehört es, einen multinationalen Konzern aufzubauen, der sich mit anderen multinationalen Konzernen messen kann. Und der stark genug ist, da dann auch entgegenzusteuern, da solche Konzerne unser Wirtschaftsgeschehen sehr stark bestimmen. Sie nehmen Einfluss auf die Politik, Einfluss auf uns Bürger und Konsumenten. Das sieht man am Beispiel des Umgangs mit Nutzerdaten, die gesammelt und dann für Werbung verwendet werden und die auch zur Manipulation von Konsumenten genutzt werden, meiner Ansicht nach. Dazu muss es eine Alternative geben, bei der man als Nutzer auch kontrollieren kann, was zum Beispiel mit den eigenen Daten passiert. Deswegen ist Fairnopoly auch eine Genossenschaft, in der alle Nutzer die gleiche Stimme haben und niemand sich durch große Anteile das Sagen kaufen kann.

smallternative: Das ist eine tolle Vision. Danke für das nette Gespräch.

 Fairnopoly ist seit dieser Woche online! Hier könnt Ihr also stöbern und shoppen!